Judaica Europeana als Kulturerbe im Netz

Frankfurt, Marburg 7.1.2012 (pm) In den vergangenen 20 Monate haben Wissenschaftler aus zehn europäischen Institutionen Millionen von Dokumenten zur jüdischen Kultur in einer Datenbank zusammengetragen. Ende diesen Jahres wird das mit 1,5 Millionen Euro von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt ‘Judaica Europeana’ abgeschlossen. Bei der Ausstellung ‘Kulturerbe im Netz’ seit 15.11.2011 in der Kunstbibliothek im Juridicum, Campus Westend der Goethe-Universität in Frankfurt finden sich einige der Dokumente präsentiert.

Dazu erklärte Dr. Rachel Heuberger, Leiterin des Projekts und der Judaica-Sammlung an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg: „Wir zeigen Originale aber auch 30 Poster mit einzelnen Seiten aus digitalisierten, jetzt allen zugänglichen Werken. Dazu gehören nicht nur Bücher, sondern auch Notendrucke jiddischer Musik, Grafiken mit Porträts der Familie Rothschild und vieles mehr.“ Darüber hinaus werden auch Beispiele der Digitalen Sammlungen der Frankfurter Universitätsbibliothek wie wertvolle mittelalterliche Handschriften Legenda Aurea und als Inkunabel die Gutenberg-Bibel sowie der Universitätsbibliothek Heidelberg, darunter auch die Große Heidelberger Liederhandschrift aus dem Codex Manesse sowie aus der Münchner illustrierten Wochenschrift für Kunst und Leben „Jugend“, zu sehen sein.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. Januar 2012, montags bis donnerstags von 10 bis 20 Uhr und freitags von 10 bis 17 Uhr.

Die Judaica-Sammlung der Frankfurter Universitätsbibliothek hat europaweit die größten Bestände gesammelt und hat sie bereits seit 1998 digitalisiert. Insgesamt haben zehn Institutionen aus Frankfurt, London, Athen, Bologna, Budapest, Paris, Rom und Warschau kooperiert, um mit der ‘Judaica Europeana’ weltweit einen Zugang zu den jüdischen Kulturgütern Europas schaffen. Frankfurt und die Universitätsbibliothek der Goethe-Universität mit ihren vielfältigen jüdischen Wurzeln sind bestens geeignet, im Zentrum dieses Projekts zu stehen: Die umfangreiche Vorkriegssammlung, die meist von jüdischen Bürgern der Stadtbibliothek überlassen wurde, ist seit 1949 in die beiden Sondersammelgebiete der Frankfurter Universitätsbibliothek zur Wissenschaft des Judentums und zu Israel integriert worden.

Die Mehrzahl der insgesamt mehr als 20.000 Bücher, Inkunabeln und Handschriften, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zusammengetragen wurden, sind bereits digitalisiert. Die Frankfurter Judaica-Sammlung ist damit die größte Judaica- und Hebraica-Sammlung in Deutschland und eine der bedeutendsten Sammlungen weltweit.

Gefördert wird das digitale Projekt „’Judaica Europeana’, von dem ‘eContentplus’-Programm der Europäischen Kommission. Als Teil von ‘Europeana’ – dem Online-Netzwerk der Archive, Bibliotheken und Museen Europas – soll es einen multilingualen Zugriff auf Sammlungen der Jüdischen Kultur ermöglichen.

„Die Vielfalt jüdischer Kultur findet ihren Ausdruck in Hunderttausenden von Objekten, die in vielen Sammlungen verstreut sind: Das sind Dokumente, Bücher, Handschriften, Zeitschriften, Tonaufzeichnungen, Bilder, Photographien, Postkarten, Plakate und Filme, aber auch Bauwerke und Friedhöfe in ganz Europa“, so Heuberger. In der ‘Judaica Europeana’ sind sie nun gesammelt worden und in die Europeana, die Europäische Digitale Bibliothek eingespeist worden. (www.europeana.eu) . Dort können Dozenten und Studenten an Universitäten und Schulen, Fachleute für das kulturelle Erbe, kulturbegeisterte Touristen sowie die allgemeine Öffentlichkeit auf diese kostenlose Datenbank zugreifen.
—> zum Internet-Portal www.judaica-europeana.eu

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