70 Jahre Wannsee-Konferenz zur “Endlösung der Judenfrage”

Marburg 23.1.2012 (pm/red) Vor siebzig Jahren, am 20 Januar 1942,  trafen sich in einer Villa am Wannsee Ministerialbeamte und Offiziere des Nazi-Regimes, um die Ermordung der europäischen Juden zu organisieren.  Auf Einladung von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts,  waren 13 Staatssekretäre verschiedener Ministerien sowie hohe Partei- und SS-Funktionäre in der Berliner Villa am Wannsee zusammen gekommen. Auf der Tagesordnung stand laut Besprechungsprotokoll die „Endlösung der Judenfrage“. Protokollant war SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann. Er war im Reichssicherheitshauptamt für die Organisation der Deportationen zuständig. Durch seine Aufzeichnungen ist der Verlauf der Konferenz überliefert.

Organisation des Völkermords auf der Tagesordnung

Heydrich informierte die Teilnehmer über die geplante Vernichtung aller in Europa lebenden Juden unter der „Federführung“ des Reichsführers der Schutzstaffel (SS), Heinrich Himmler. Wesentliches Ziel der Besprechung war es, die dort vertretenen Institutionen in die Planung und Umsetzung der Völkermorde mit einzubinden.
Die Ermordung von über 6 Millionen Juden wurde auf der Wannsee-Konferenz organisiert, aber nicht beschlossen. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits in Gang: Bis Anfang 1942 waren über 500.000 Juden in der Sowjetunion und in Polen von speziellen „Einsatzgruppen“ hingerichtet worden.

Seit zwanzig Jahren Gedenkstätte in Wannsee-Villa

Seit zwanzig Jahren informiert am Ort des Geschehens eine Gedenk- und Bildungsstätte über die nationalsozialistischen Verbrechen und erinnert an ihre Opfer. Die Gedenkstätte bietet neben der Ständigen Ausstellung auch ein umfangreiches Bildungsprogramm, das sich an große und kleiner Besucherinnen und Besucher wendet. Ein Angebot, das künftig noch erweitert werden soll: Geplant ist ein Erweiterungsbau, der Platz für weitere pädagogische Angebote schaffen wird.

Von der Wannsee-Konferenz ist ein 15seitiges Protokoll überliefert (oben Ausschnitt von der letzten Seite). Dieses Protokoll und weitere Marterialien bietet des Archiv der Gedenkstätte, dazu weitere Dokumente und Publikationen.

Träger der Gedenkstätte ist der Verein ‘Erinnern für die Zukunft’. Finanziert wird die Gedenkstätte vom Land Berlin und vom Bund, der in diesem Jahr dafür 770.000 Euro zur Verfügung stellt. —> Webseiten Haus der Wannsee-Konferenz