Veranstaltung in der Landsynagoge Roth am 8. Dezember Erinnerung an die 70. Wiederkehr der ersten Deportation 1941 nach Riga
Marburg 6.12.2011 (pm/red) In diesem Jahr jährt sich zum 70. Mal die erste Deportation von Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel in die Ghettos und Vernichtungslagern im Osten. Am 8. Dezember 1941 wurden auch aus dem Landkreis Marburg Menschen deportiert, darunter 40 Männer, Frauen und Kinder aus Fronhausen und Roth sowie dort einige Monate zuvor zwangsweise einquartierte Juden aus Neustadt. Dem widmet sich eine Veranstaltung am 8. Dezember.
Am Bahnhof Fronhausen bzw. Niederwalgern bestiegen die Betreffenden einen Personenzug der Reichsbahn nach Marburg, der sie von dort pünktlich um 10.16 Uhr zum Kasseler Hauptbahnhof fuhr. Auf dem Bahnsteig in Kassel nahmen Beamte der Geheimen Staatspolizei, Kriminalpolizei und Schutzpolizei die Ankommenden in Empfang und führten sie in einen Turnhallenkomplex der Bürgerschulen in der Schillerstraße. Am nächsten Tag, am 9. Dezember 1941, startete der Transport mit ungefähr 1000 Juden aus dem Regierungsbezirk Kassel vom Bahnhof Kassel mit der Reichsbahn nach Riga/Lettland.
Am 11. Dezember traf dieser dort ein. Das erste, was die Ankommenden im Ghetto Riga sahen, war das Blut im Schnee der unmittelbar zuvor Ermordeten. Nur wenige aus diesem Transport überlebten den Holocaust. Aus Fronhausen waren es Trude und Jenny Löwenstein, aus Neustadt Karl Stern, Selma und Hugo Kanter.
Der ‚Arbeitskreis Landsynagoge Roth e.V.’ und der ‚Arbeitskreis Dorfgeschichte Fronhausen’ laden gemeinsam am Donnerstag, dem 8. Dezember 2011, um 17:00 Uhr zu einem Gedenken am Bahnhof in Fronhausen ein.
Die Feier wird mitgestaltet vom Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Marburg, den Geistlichen der beiden christlichen Konfessionen, dem Bürgermeister der Gemeinde Fronhausen sowie Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde, die Erinnerungen der Holocaustüberlebenden Trude Meyer vortragen werden.